Kennen Sie das Gefühl? Sie sitzen ganz entspannt auf dem Sofa oder liegen abends im Bett und plötzlich spüren Sie es: ein unerwartetes Pochen in der Brust, ein kurzes Flattern oder das Gefühl, das Herz hätte für eine Sekunde einfach ausgesetzt, nur um danach umso kräftiger weiterzuschlagen.
Viele meiner Patientinnen und Patienten kommen genau wegen dieses beängstigenden Gefühls zu mir in die Praxis. Als Kardiologe kann ich Sie aber zunächst einmal beruhigen: Was Sie da spüren, ist in den meisten Fällen medizinisch völlig harmlos. Wir sprechen hier von sogenannten Extrasystolen.
Was genau sind Extrasystolen?
Einfach gesagt handelt es sich bei Extrasystolen um "zusätzliche" Herzschläge, die außerhalb des normalen Herzrhythmus auftreten. Unser Herz besitzt einen eigenen elektrischen Taktgeber (den Sinusknoten). Manchmal feuern jedoch andere Zellen im Herzen – entweder in den Vorhöfen (supraventrikuläre Extrasystolen) oder in den Herzkammern (ventrikuläre Extrasystolen) – einen vorzeitigen elektrischen Impuls ab.
Das führt zu einem vorzeitigen Herzschlag. Der Schlag, der danach folgt, lässt meist etwas länger auf sich warten (die sogenannte kompensatorische Pause) und fällt dafür kräftiger aus. Genau diesen kräftigen Schlag spüren wir dann als das berüchtigte "Herzstolpern".
Warum stolpert das Herz?
Jeder Mensch hat Extrasystolen. Bei einem 24-Stunden-EKG finden wir bei fast jedem gesunden Menschen vereinzelt diese Extra-Schläge, nur spüren die meisten sie gar nicht. Wenn sie doch gehäuft und spürbar auftreten, liegen die Ursachen oft in unserem Alltag:
Stress und innere Unruhe: Unser vegetatives Nervensystem reagiert stark auf psychische Belastung.
Genussmittel: Übermäßiger Konsum von Koffein, Alkohol oder Nikotin kann den Herzmuskel reizen.
Schlafmangel und Erschöpfung: Ein übermüdeter Körper neigt eher zu Rhythmusstörungen.
Elektrolytmangel: Besonders ein Mangel an Kalium oder Magnesium (z. B. nach starkem Schwitzen oder durch bestimmte Medikamente) kann Extrasystolen begünstigen.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Auch wenn Extrasystolen bei einem ansonsten gesunden Herzen meist völlig gutartig sind, gibt es Situationen, in denen Sie das Stolpern kardiologisch abklären lassen sollten.
Achten Sie auf diese Warnsignale (Red Flags):
Das Herzstolpern tritt während körperlicher Belastung (z. B. beim Sport) auf oder nimmt dabei zu.
Begleitsymptome wie Schwindel, Atemnot, Schmerzen in der Brust oder gar kurze Ohnmachtsanfälle treten auf.
Es ist in Ihrer Familie bereits zu plötzlichen, ungeklärten Herztodesfällen gekommen.
Sie haben bereits eine bekannte Vorerkrankung des Herzens (z. B. nach einem Herzinfarkt, bei Herzschwäche oder Herzklappenfehlern).
Mein Rat als Kardiologe
Wenn das Herzstolpern Sie beunruhigt, den Schlaf raubt oder sehr häufig auftritt: Zögern Sie nicht, einen Termin zu vereinbaren. Ein einfaches EKG, ein Langzeit-EKG und ein Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) reichen meist aus, um strukturelle Herzerkrankungen auszuschließen.
Wenn wir feststellen, dass Ihr Herz organisch völlig gesund ist, verliert das Stolpern meist schon seinen Schrecken. Oft reicht es dann bereits aus, den Stresspegel etwas zu senken, den Kaffeekonsum zu überdenken und auf eine ausreichende Magnesiumzufuhr zu achten.
Hören Sie auf Ihr Herz – aber lassen Sie sich nicht von jedem Extra-Schlag aus der Ruhe bringen!
